Der Jahreswechsel ist traditionell eine Zeit der Bilanzierung und Vorsätze. Doch während viele von uns persönliche Ziele für 2026 formulieren, legt das renommierte V-Dem Institut mit Sitz an der Universität Göteborg einen Bericht vor, der unsere Aufmerksamkeit auf eine globale Entwicklung lenkt, die kaum alarmierender sein könnte: Zum ersten Mal seit 20 Jahren gibt es weltweit mehr Autokratien als Demokratien. Dieser Befund markiert keinen isolierten Rückschlag, sondern den Höhepunkt einer 25-jährigen Welle der Autokratisierung, die unser globales politisches System tiefgreifend verändert. Für DemocracyHub, das sich der Stärkung demokratischer Partizipation verschrieben hat, ist dies kein Anlass zur Resignation, sondern ein klares Signal für handlungsbedarf.
Der V-Dem Report 2025 basiert auf über 31 Millionen Datenpunkten aus 202 Ländern, ausgewertet von mehr als 4.200 Länderexperten. Die Ergebnisse sind verheerend:
Die globale demokratische Grundausstattung schrumpft. Von 91 Demokratien im Vorjahr sind nur noch 88 übrig. Die Zahl der Autokratien stieg gleichzeitig von 88 auf 91, wobei Weißrussland, Gabun, Libanon und Nigeria zu den geschlossenen Autokratien abrutschten. Die demografische Realität ist noch dramatischer. Nur noch 28% der Weltbevölkerung leben in Demokratien, während 72% (5,8 Milliarden Menschen) unter autokratischer Herrschaft stehen. Dies ist der höchste Wert seit 1978. Noch beunruhigender: Liberale Demokratien beherbergen weniger als 12% der Weltbevölkerung, den niedrigsten Wert seit 50 Jahren.
Die Ursachen für diesen Trend sind komplex und multifaktoriell. Der V-Dem Report identifiziert jedoch klare Muster:
Trotz dieses düsteren Bilds bietet der V-Dem Report auch Anhaltspunkte für Hoffnung und Handlung:
Der V-Dem Report 2025 ist kein Nachruf auf die Demokratie, sondern ein Weckruf. Die Zahlen sind alarmierend, aber sie zeigen auch, wo Handlungsbedarf besteht. Die Tatsache, dass 72% der Weltbevölkerung unter autokratischer Herrschaft lebt, ist keine unabänderliche Tatsache, sondern das Ergebnis eines 25-jährigen Prozesses, der umkehrbar ist. Die wachsende Mobilisierung pro-demokratischer Kräfte in Ländern wie Georgien, Südkorea oder Brasilien zeigt: Die Sehnsucht nach demokratischer Teilhabe ist universell und lässt sich nicht dauerhaft unterdrücken. Die Erfolgsquote von 75% bei Demokratisierungsprozessen beweist, dass Transitionen möglich sind, wenn sie unterstützt werden.
Für DemocracyHub bedeutet dies: 2026 muss das Jahr der demokratischen Resilienz werden. Unsere Mission, digitale Demokratietools zu entwickeln, ist nicht nur technische Innovation, sondern politische Notwendigkeit. In einer Zeit, in der autokratische Kräfte die Grenzen der Macht "in noch nie dagewesenem Ausmaß" austesten, braucht es robuste, transparente und zugängliche Partizipationsmöglichkeiten mehr denn je. Die Demokratie steht auf der Kippe aber sie ist noch nicht gestürzt. Und solange Bürgerinnen und Bürger weltweit bereit sind, sich für ihre demokratischen Rechte einzusetzen, haben wir die Chance, die Trendwende zu schaffen. Die Zahlen des V-Dem Reports sind eine Diagnose, kein Todesurteil. Die Behandlung beginnt mit jedem von uns (und mit den Tools, die wir bereitstellen).
Der V-Dem Democracy Report 2025 ist unter www.v-dem.net vollständig abrufbar.