January 10, 2026
Democracy Report 2025

Der Jahreswechsel ist traditionell eine Zeit der Bilanzierung und Vorsätze. Doch während viele von uns persönliche Ziele für 2026 formulieren, legt das renommierte V-Dem Institut mit Sitz an der Universität Göteborg einen Bericht vor, der unsere Aufmerksamkeit auf eine globale Entwicklung lenkt, die kaum alarmierender sein könnte: Zum ersten Mal seit 20 Jahren gibt es weltweit mehr Autokratien als Demokratien.Dieser Befund markiert keinen isolierten Rückschlag, sondern den Höhepunkt einer 25-jährigen Welle der Autokratisierung, die unser globales politisches System tiefgreifend verändert. Für DemocracyHub, das sich der Stärkung demokratischer Partizipation verschrieben hat, ist dies kein Anlass zur Resignation, sondern ein klares Signal für handlungsbedarf.

Die harten Fakten: Demokratie im globalen Rückzug?

Der V-Dem Report 2025 basiert auf über 31 Millionen Datenpunkten aus 202 Ländern, ausgewertet von mehr als 4.200 Länderexperten. Die Ergebnisse sind verheerend:

Die globale demokratische Grundausstattung schrumpft. Von 91 Demokratien im Vorjahr sind nur noch 88 übrig. Die Zahl der Autokratien stieg gleichzeitig von 88 auf 91, wobei Weißrussland, Gabun, Libanon und Nigeria zu den geschlossenen Autokratien abrutschten.Die demografische Realität ist noch dramatischer. Nur noch 28% der Weltbevölkerung leben in Demokratien, während 72% (5,8 Milliarden Menschen) unter autokratischer Herrschaft stehen. Dies ist der höchste Wert seit 1978. Noch beunruhigender: Liberale Demokratien beherbergen weniger als 12% der Weltbevölkerung, den niedrigsten Wert seit 50 Jahren.

Warum die Autokratisierung voranschreitet: Die Mechanismen des demokratischen Verfalls

Die Ursachen für diesen Trend sind komplex und multifaktoriell. Der V-Dem Report identifiziert jedoch klare Muster:

  • In 44 Ländern hat sich die Meinungsfreiheit verschlechtert (gegenüber 35 im Vorjahr). Autokratisierende Regime beginnen typischerweise mit der Zensur von Medien und dem Angriff auf die akademische Freiheit, die Lieblingswaffen der Autokraten. Dies schafft eine Informationsumgebung, in der demokratische Kontrolle unmöglich wird.
  • 25 Länder zeigen einen Verfall bei sauberen Wahlen. Die Strategie ist dabei subtil: Nicht immer offene Wahlfälschung, sondern die systematische Untergrabung fairer Wettbewerbsbedingungen durch Medienkontrolle, Einschränkung der Zivilgesellschaft und Manipulation von Wahlgesetzen.
  • In 18 Ländern hat sich die Rechtsstaatlichkeit verschlechtert. Unabhängige Gerichte und Kontrollgremien werden durch Regierungen unterwandert oder entmachtet, was die Exekutive von demokratischen Schranken befreit.
  • Autokratisierung ist ansteckend. Erfolgreiche Autokratisierungsstrategien werden kopiert. Der Bericht zeigt, dass 27 der 45 autokratisierenden Länder ursprünglich Demokratien waren, mit einer "Letalitätsrate" von 67%, die nun als Autokratien klassifiziert sind. Die USA werden als "sich am schnellsten entwickelnde Episode der Autokratisierung in der modernen Geschichte" des Landes beschrieben.
  • Der Fall der USA illustriert ein neues Phänomen: Die systematische "Säuberung und Demontage staatlicher Institutionen", die Untergrabung der Kongressmacht und Angriffe auf unabhängige Behörden. Diese Taktiken, einst typisch für junge Demokratien, werden nun in etablierten Demokratien eingesetzt.

Was wir dagegen tun können: Handlungsfelder für die Demokratie

Trotz dieses düsteren Bilds bietet der V-Dem Report auch Anhaltspunkte für Hoffnung und Handlung:

  • Ein positiver Befund des Berichts: In 11 Ländern nahm die pro-demokratische Mobilisierung zu. Bürgerengagement kann autoritären Trends wirksam entgegenwirken. Der CIVICUS-Bericht über den Zustand der Zivilgesellschaft bestätigt, dass dieses Engagement in einigen Fällen zu spürbaren demokratischen Fortschritten führte.Für DemocracyHub bedeutet dies: Plattformen für demokratische Partizipation müssen gerade in Krisenzeiten gestärkt werden. Digitale Demokratietools können Bürgerinnen und Bürger mobilisieren, informieren und zu politischer Teilhabe befähigen.
  • Von den 19 Ländern in Demokratisierungsprozessen haben 9 von 12, die als Autokratien begannen, erfolgreich die Demokratie erreicht, eine Erfolgsrate von 75%. Die Demokratisierung ist also möglich, wenn sie konsequent unterstützt wird.
  • 17 Länder befinden sich in einer "Grauzone" zwischen Demokratie und Autokratie. Hier ist schnelles Handeln entscheidend, um eine Abwärtsentwicklung zu verhindern.
  • Länder mit starken, unabhängigen Institutionen (Gerichte, Wahlkommissionen, Medienaufsicht) weisen höhere Resilienz auf. Der Schutz dieser Institutionen ist daher zentral.
  • Der Bericht zeigt, dass autokratische Länder zunehmend kooperieren. Demokratien müssen ihrerseits Allianzen bilden und demokratische Werte in internationalen Organisationen verteidigen.

Die Demokratie ist kämpferisch, nicht besiegt

Der V-Dem Report 2025 ist kein Nachruf auf die Demokratie, sondern ein Weckruf. Die Zahlen sind alarmierend, aber sie zeigen auch, wo Handlungsbedarf besteht. Die Tatsache, dass 72% der Weltbevölkerung unter autokratischer Herrschaft lebt, ist keine unabänderliche Tatsache, sondern das Ergebnis eines 25-jährigen Prozesses, der umkehrbar ist. Die wachsende Mobilisierung pro-demokratischer Kräfte in Ländern wie Georgien, Südkorea oder Brasilien zeigt: Die Sehnsucht nach demokratischer Teilhabe ist universell und lässt sich nicht dauerhaft unterdrücken. Die Erfolgsquote von 75% bei Demokratisierungsprozessen beweist, dass Transitionen möglich sind, wenn sie unterstützt werden.

Für DemocracyHub bedeutet dies: 2026 muss das Jahr der demokratischen Resilienz werden. Unsere Mission, digitale Demokratietools zu entwickeln, ist nicht nur technische Innovation, sondern politische Notwendigkeit. In einer Zeit, in der autokratische Kräfte die Grenzen der Macht "in noch nie dagewesenem Ausmaß" austesten, braucht es robuste, transparente und zugängliche Partizipationsmöglichkeiten mehr denn je.Die Demokratie steht auf der Kippe aber sie ist noch nicht gestürzt. Und solange Bürgerinnen und Bürger weltweit bereit sind, sich für ihre demokratischen Rechte einzusetzen, haben wir die Chance, die Trendwende zu schaffen. Die Zahlen des V-Dem Reports sind eine Diagnose, kein Todesurteil. Die Behandlung beginnt mit jedem von uns (und mit den Tools, die wir bereitstellen).

Der V-Dem Democracy Report 2025 ist unter www.v-dem.net vollständig abrufbar.

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